Private Abwasserkanäle

Sanierung, Planung & Technik

Untersuchung und Sanierung privater Abwasserleitungen

Die Inspektion und Sanierung privater Abwasser­leitungen ist ein wichtiges Thema für Grundstücks­eigentümer. Neben seriösen Fachfirmen gibt es jedoch auch schwarze Schafe, die mit überhöhten Preisen oder mangelhaften Leistungen arbeiten. Die folgenden Informationen geben einen Überblick über den optimalen Ablauf einer Untersuchung und Sanierung, typische Risiken sowie konkrete Negativ­beispiele aus der Praxis.

Optimaler Ablauf der Untersuchung und Sanierung

Mit der Inspektion und ggf. einer erforderlichen Sanierung der privaten Abwasserleitungen sind diverse Beteiligte beschäftigt: Ingenieur­büros, Inspektions­firmen und Sanierungs­unternehmen. Alle Beteiligten müssen über nachweisbare Erfahrungen im Bereich der Inspektion und Kanal­sanierung verfügen. Gerade auch die Inspektions- und Sanierungs­unternehmen müssen mit den Besonderheiten der Grundstücks­entwässerung vertraut sein und über die hier erforderlichen besonderen Gerätetechniken (aktueller Gerätestand) verfügen. Der nachfolgend dargestellte Verfahrens­ablauf hat sich als wirtschaftlich und sinnvoll erwiesen.

Die Inspektion und Sanierung von Grundstücksentwässerungsanlagen stellt in den nächsten Jahren ein großes Aufgabenfeld dar, an dem eine Vielzahl von Firmen partizipieren möchte.

Bedeutung neutraler Beratung

Es zeigt sich leider immer wieder, dass es auch unseriöse Unternehmen gibt, die der Eigentümer nicht unbedingt als solche erkennen kann. Hiervor kann sich der „fachliche Laie“ nur dadurch schützen, dass er sich kompetent und neutral beraten lässt.

Es ist immer dann die Einschaltung eines neutralen Dritten zu empfehlen, wenn der Eigentümer nicht selbst über das notwendige fachliche Detailwissen verfügt. Einige Kanalnetz­betreiber bieten den Grundstücks­eigentümern ihre Beratung und ggf. Begleitung an. Ansonsten sollte ein von Firmeninteressen unabhängiges, erfahrenes Ingenieurbüro bereits bei der Vorbereitung der Inspektionsarbeiten beratend hinzugezogen werden. Dieses übernimmt dann die Analyse der Schadensbilder und erstellt – falls ein Sanierungsbedarf besteht – ein unabhängiges Sanierungskonzept für den Eigentümer.

In den Medien wurden in der Vergangenheit immer wieder Negativbeispiele dargestellt, die zeigen, wie Eigentümer durch unseriöse Firmen übervorteilt wurden.

Negativbeispiele aus der Praxis

Beispiel 1: Haustürgeschäft mit überteuerter Kamerabefahrung

Ein älterer Herr hat den Grundstückseigentümer auf die Verpflichtung zur Untersuchung hingewiesen und eine spontane Überprüfung angeboten. Dazu schraubte er ein Teil am Waschbecken ab und sah nach einem kurzen Blick ins Rohr einen dringenen Handlungs­bedarf. Für diese „Dienstleistung“ kassierte er 25 Euro und erstellte anschließend ein Angebot über 850 Euro für eine Kamerabefahrung (25 m Leitungslänge).

Die durchgeführte Befahrung war unvollständig. Es wurden nur 10 m untersucht, aber die angebotenen 850 Euro in Rechnung gestellt. Die Bilder waren von sehr schlechter Qualität. Zudem wurde ein überteuertes Sanierungs­angebot in Höhe von 16.000 Euro erstellt. Erst durch eine Gegen­untersuchung des städtischen Entwässerungs­betriebs stellte sich heraus, dass keine Sanierung notwendig war.

Beispiel 2: Überteuerte und mangelhafte Sanierung

Eine ältere Dame ließ eine akute Verstopfung der Abwasserleitung durch ein vermeintlich örtliches Unternehmen beheben. Für Reinigung und Inspektion von 23 m Leitung wurden rund 2.000 Euro berechnet. Im Anschluss erhielt sie ein Sanierungsangebot, das bei oberflächlicher Betrachtung Kosten von rund 4.500 Euro erwarten ließ – tatsächlich wurden aber über 9.000 Euro in Rechnung gestellt.

Eine gutachterliche Analyse ergab, dass die Leistungen weit überteuert und in Teilen unsachgemäß ausgeführt waren. Zudem wurde ein Abschnitt saniert, der gar nicht in der Verantwortung der Eigentümerin lag.

FAQ

Häufige Fragen zur Untersuchung und Sanierung privater Abwasserleitungen

Warum muss ich meine Abwasserleitungen untersuchen lassen?

Private Abwasserleitungen können mit der Zeit undicht oder beschädigt werden. Dadurch können Abwasser und Schadstoffe ins Erdreich gelangen. Eine rechtzeitige Untersuchung schützt die Umwelt, verhindert Folgekosten und stellt die Funktionsfähigkeit sicher.

Wie läuft eine Untersuchung ab?

In der Regel wird eine Kamera über eine Inspektionsöffnung oder einen Kontrollschacht in die Leitung eingeführt, um den Zustand zu prüfen. Fachfirmen dokumentieren die Ergebnisse in einem Video- oder Bildprotokoll. Bei Schäden empfiehlt ein unabhängiges Ingenieurbüro passende Sanierungsmaßnahmen.

Wie findet man eine geeignete Firma?

  • Manche Kommunen führen Listen erfahrener Firmen. Schauen Sie auf die Homepage Ihrer Kommune oder fragen Sie nach!
  • Empfehlungen von Nachbarn oder Bekannten
  • Fachbetriebsliste

Woran erkenne ich eine seriöse Firma?

  • Nachweisbare Erfahrung im Bereich Kanalinspektion und -sanierung
  • Zertifikate (z.B. Güteschutz Kanalbau / Güteschutz Grundstücksentwässerung) und Mitgliedschaften in Fachverbänden (z. B. DWA)
  • Klare und transparente Angebote mit nachvollziehbaren Kosten
  • Keine Haustürgeschäfte oder spontane Angebote ohne Vertrag

Was soll ich tun, wenn mir ein sehr teures oder unklar formuliertes Angebot vorliegt?

Holen Sie eine zweite Meinung bei einem unabhängigen Ingenieurbüro oder der Kommune ein. So können Sie prüfen, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen wirklich notwendig und angemessen sind.

Gibt es Förderungen für Untersuchungen oder Sanierungen?

Manche Kommunen oder Länder bieten finanzielle Unterstützung, besonders wenn Sanierungen dem Schutz des Grundwassers dienen. Informationen hierzu erhalten Sie bei Ihrer Stadtverwaltung oder Gemeinde.

Planung und Technik privater Entwässerungsanlagen

Schäden an privaten Abwasserleitungen lassen sich auf unterschiedliche Weise beheben – je nach Randbedingungen, Zielsetzung und Budget. Die folgende Seite gibt einen schnellen Überblick über verfügbare Sanierungsoptionen ohne und mit Aufgrabungen sowie typische Einsatzgrenzen.

Wie können Schäden behoben werden?

Sind sanierungsbedürftige Schäden ermittelt, stellt sich die Frage nach der Art und Weise der Behebung. Hierbei spielen die örtlichen individuellen Rand­bedingungen eine entscheidende Rolle. „Die“ Sanierungstechnik schlechthin gibt es unter technischen und wirtschaftlichen Gesichts­punkten nicht. Zur Sanierung stehen grundsätzlich mehrere Möglich­keiten zur Verfügung. Diese sind in Abhängigkeit der technischen Einsetzbarkeit, der damit in Verbindung stehenden Kosten und Nutzungs­dauer (nicht jeder Technik­einsatz lässt die gleiche Lebensdauer erwarten) sowie der Ziele des Grundstücks­eigentümers in Abgleich zu bringen. In Anbetracht der vielfältigen Möglichkeiten ist es sinnvoll, einen kompetenten und neutralen Fachplaner einzuschalten. Dieser wird unabhängig und letztlich gemeinsam mit dem Eigentümer ermitteln, welche Vorgehens­weise für die Schadens­beseitigung die sinnvollste und wirtschaftlichste Alternative darstellt.

Sanierung ohne Aufgrabungen

Reparatur (punktuelle Einzelschäden)

Reparaturverfahren der Innensanierung sind außer in Kontrollschächten nur selten einsetzbar. Oft reichen die Zugangs­möglichkeiten nicht aus, die Techniken in die Leitung einzubringen oder in der Leitung über Bogen­formteile oder Abzweige an der gewünschten Stelle zu positionieren. Sobald mehrfache Einzel­schäden vorliegen, stellt sich die Frage der Wirtschaftlich­keit des Technik­einsatzes. Viele Einzelschäden punktuell zu sanieren kann insgesamt teuerer werden, als ganze Leitungs­stränge zu renovieren oder zu erneuern.

Flutung (ganze Netze, nur bedingt einsetzbar)

Ein spezielles Reparaturverfahren ist die Flutungstechnik. Hierbei können bei optimalen Voraussetzungen grundsätzlich ganze Netze in einem Zuge abgedichtet werden. Das Leitungsnetz wird nacheinander mit zwei verschiedenen flüssigen Komponenten geflutet und jeweils wieder abgesaugt. An undichten Stellen gelangen die Flüssigkeiten ins Erdreich, wo sie miteinander reagieren und das umgebende Erdreich verfestigen. Dadurch wird die Leitung abgedichtet.
Die Einsatzgrenzen sind von vielen Randbedingungen abhängig. Daher sollte in jedem Fall ein erfahrener Fachplaner einbezogen werden. Die Technik sollte bei grundsätzlicher Eignung generell nur dort eingesetzt werden, wo sämtliche Teilstränge gereinigt und optisch untersucht werden konnten.

Verfahrensschema Flutungsverfahren

Renovierung mit Schlauchliner / Hausanschlussliner (ganze Teilstränge)

Schlauchlinerverfahren kleiden die alten Leitungen von innen mit einem neuen „Kunststoffrohr“ aus. Dies erfolgt mit einem harzgetränkten Gewebeschlauch, der vor Ort (noch weich) eingebaut wird und erst in der Leitung aushärtet. Diese Technik ist sehr flexibel einsetzbar (auch über Bogenformbauteile hinweg). Sie ist auch in den Leitungsgrößen der Grundstücksentwässerung (Rohrdurchmesser 10 – 15 cm) verfügbar. Sofern Seitenzuläufe im zu sanierenden Abschnitt einmünden, kann die Technik ihre Grenzen erreichen. Grundsätzlich können zwar Seitenzuläufe mit kleinen Fräsrobotern geöffnet, oft aber nicht wasserdicht an den Schlauchliner angebunden werden.

Inzwischen gibt es neben dem Schlaucheinbau vom Kontrollschacht oder einer Wartungsöffnung aus auch die Möglichkeit, den Liner vom öffentlichen Kanal aus einzubringen.

Die Aushärtung kann je nach System mit Wärme (Füllung der Leitung mit Warmwasser) oder Licht (spezielle Lichtquelle von innen) erfolgen. Aber es gibt auch Systeme, die über die Reaktionszeit bei Umgebungstemperatur aushärten. Wichtig für den Einsatz auf Privatgrundstücken ist, dass es für das gewählte Verfahren eine DIBt-Zulassung gibt. Die verwendeten Systemkomponenten müssen entsprechend der Zulassung aufeinander abgestimmt sein.

Einbau eines Hausanschlussliners vom Keller aus

Sanierung mit Aufgrabungen oder Umbauten

Offene Bauweise

Aufgrund der Leitungsstruktur (vernetzte Teilstränge) und der oft geringen Tiefenlage ist die Erneuerung von Leitungsabschnitten in vielen Fällen die geeignete Lösung zur Sanierung der Schäden. In diesen Fällen lassen sich auch die Netzstrukturen für die künftig wiederkehrenden Wartungsaufgaben vereinfachen, z.B. durch Stilllegung nicht mehr benötigter Stränge, durch Einbau von Kontrollschächten oder Wartungsöffnungen oder durch Neuverlegung mit verbesserter Leitungsführung. So wird die nächste Überprüfung der Entwässerungsanlage einfacher und kostengünstiger möglich sein.
Besonders aufwändig ist die Erneuerung, wenn die Leitungen unter der Bodenplatte des Gebäudes verlaufen.

Sanierung in Eigenleistung

Umbau durch Installationsarbeiten

In vielen Fällen ist es wirtschaftlicher, unter der Bodenplatte verlaufende Leitungsstränge vollständig außer Betrieb zu nehmen. Hierzu ist es notwendig, eine neue Leitungsführung innerhalb z.B. nicht ausgebauter Kellergeschosse herzustellen. Von oben kommende Fallleitungen können unter der Kellerdecke vielfach abgefangen und zu einem neuen Gebäudeaustrittspunkt hin ausgerichtet werden. Sofern tiefer liegende Entwässerungsgegenstände (Waschbecken, Dusche, Toilette, ...) weiterhin an die Leitung angeschlossen werden sollen, kann dies über kleine und kostengünstige Abwasserhebeanlagen erreicht werden.

Verzicht auf Leitungen unter der Bodenplatte

FAQ

Häufige Fragen zur Planung und Sanierungstechnik privater Entwässerungsanlagen

Was bedeutet Sanierung?

Unter Sanierung versteht man alle Maßnahmen zur Wiederherstellung oder Verbesserung von vorhandenen Entwässerungssystemen. Grundsätzlich werden die Sanierungsverfahren in drei Gruppen eingeteilt. In der DIN EN 752 werden die Fachbegriffe für die verschiedenen Verfahrensgruppen folgendermaßen definiert:

  • Reparatur: Maßnahmen zur Behebung örtlich begrenzter Schäden.
  • Renovierung: Maßnahmen zur Verbesserung der aktuellen Funktionsfähigkeit von Abwasserleitungen und -kanälen unter vollständiger oder teilweiser Einbeziehung ihrer ursprünglichen Substanz.
  • Erneuerung: Herstellung neuer Abwasserleitungen und -kanäle in der bisherigen oder einer anderen Linienführung, wobei die neuen Anlagen die Funktion der ursprünglichen Abwasserleitungen und -kanäle einbeziehen.

Gibt es eine standardisierte Sanierungstechnik für Grundstücksentwässerungsanlagen?

Nein. Es gibt keine Sanierungstechnik, die unter technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten grundsätzlich für alle Fälle geeignet ist. Die Wahl des Verfahrens hängt von den jeweiligen Randbedingungen, den Kosten, der zu erwartenden Nutzungsdauer und den Zielen des Grundstückseigentümers ab.

Welche Faktoren sind bei der Auswahl einer Sanierungstechnik zu berücksichtigen?

Zu berücksichtigen sind insbesondere:

  • die technische Einsetzbarkeit (unter anderem abhängig vom Durchmesser und dem Material der Leitung, der Zugänglichkeit, ...)
  • Einzelschaden oder mehrere Schäden?
  • Art und Schwere der Schäden
  • die Kosten
  • die zu erwartende Nutzungsdauer
  • die örtlichen Randbedingungen
  • die Ziele des Grundstückseigentümers (z.B. sollen Teile der Anlage aufgegeben werden? Soll die Oberflächengestaltung sowieso verändert werden?)

Warum sollte ein Fachplaner in die Sanierungsplanung einbezogen werden?

Ein kompetenter und neutraler Fachplaner kann unabhängig beurteilen, welche Vorgehensweise zur Schadensbeseitigung technisch sinnvoll und wirtschaftlich zweckmäßig ist. Er ist nicht beschränkt auf ein bestimmtes Angebot an Sanierungsverfahren.

Welche Zielsetzung kann bei der Sanierung neben der Schadensbeseitigung verfolgt werden?

Neben der Behebung der Schäden kann die Entwässerungsanlage so umgestaltet werden, dass spätere Wartungen und wiederkehrende Überprüfungen einfacher und kostengünstiger durchgeführt werden können.